Nun, er hat jetzt seit einigen Monaten eine Funduskamera, mit der er erbarmungslos, zu Beginn mehr verwackelt und fehlbelichtet als erkennbar, Aufnahmen tätigt, diese ohne Rücksicht auf nicht vorhandene Qualität den Patienten in Rechnung stellt und seine computerisierten Arztbriefe damit ziert.
Diese Woche kam notfallmäßig ein junges Mädchen wegen "akutem Visusverlust und neu aufgetretener weißlicher Netzhautveränderung". Schon die Anamnese der immerhin 16-jähigen jungen Dame, die sich seit dem 3. Lebensjahr (!!) in des sachönen Augenarztes Betreuung befindet, liess Zweifel an der Diagnose aufkommen. Das rechte Auge sei immer schon deutlich schlechter gewesen, trotz Abklebetherapie. Außerdem sei es viel kurzsichtiger als das andere. Oha, denken wir. Amblyopie bei Anisomyopie - Sehschwäche bei unterschiedlich ausgeprägter Kurzsichtigkeit. Nein, eine akute Sehverschlechterung habe sie nicht erfahren.
Der Blick auf den Augenhintergrund enthüllt das fast Unfassliche:
Myelinisierte Nervenfasern!!

Eine Veränderung, die ohne jegliche Ausnahme angeboren ist, extrem auffällig ist, in der Regel mit einer Sehschwäche des betroffenen Auges einhergeht und oft mit einer höheren Kurzsichtigkeit.....
Man fragt sich nur, was der schöne Kollege bei der 14 Jahre währenden "Betreuung" des Mädchens bislang so gesehen hat??? Und welches "akute Geschehen" er wohl hier vermutete??

